
Der Certified Ethical Hacker (CEH) ist eine der bekanntesten Zertifizierungen im Bereich Penetration Testing und ethisches Hacking. Aber lohnt sich der CEH?
Bekanntheit bedeutet nicht automatisch gut oder empfehlenswert. In diesem Artikel erhältst du ein ehrliches Bild: Was der CEH ist, was er kostet, was er gut macht und wo er Schwächen hat, damit du selbst entscheiden kannst, ob er der richtige Schritt für dich ist.
Was ist die CEH-Zertifizierung?
Der Certified Ethical Hacker ist eine Zertifizierung, die vom EC-Council (International Council of E-Commerce Consultants) herausgegeben wird. Sie richtet sich an Personen, die lernen möchten, wie Angreifer denken und agieren, um Systeme besser zu schützen.
Der CEH deckt ein breites Themenspektrum ab, darunter:
- Hacking-Methoden und Angriffsphasen
- Footprinting und Aufklärung
- Scannen und Enumeration
- Social Engineering
- Webanwendungs-Hacking
- Session Hijacking und Sniffing
- Malware-Typen und Trojaner
- Cloud-Sicherheit und IoT-Hacking
Die Zertifizierung gibt es in zwei Versionen: CEH (Knowledge) als theoriebasierte Prüfung und CEH (Practical) als praktische Laborprüfung. Die praktische Version ist anspruchsvoller und wird von Praktikern etwas höher angesehen.
Kosten und Voraussetzungen
Der CEH ist eine der teureren Einstiegszertifizierungen auf dem Markt. Die genauen Preise variieren je nach Region, Prüfungsanbieter und gewähltem Studienpfad. Als grobe Orientierung (Stand 2026, ohne Preisgarantie):
- Prüfungsgebühr: ca. €900 bis €1.200, je nach Anbieter und Region
- Offizielles EC-Council-Training: deutlich teurer, oft mehrere tausend Euro
- Selbststudium mit Büchern und Online-Plattformen: günstiger, aber ohne offiziellen Kurs kann der Zugang zur Prüfung eingeschränkt sein
Wichtig zu wissen: Der EC-Council verlangt entweder eine offizielle EC-Council-Schulung oder zwei Jahre nachweisliche Berufserfahrung in der Informationssicherheit, um an der Prüfung teilnehmen zu können. Das ist eine höhere Hürde als bei den meisten anderen Zertifizierungen.
Vorteile der CEH-Zertifizierung
Der CEH hat klare Stärken, die ihn für bestimmte Personengruppen attraktiv machen:
- Hoher Bekanntheitsgrad: Der CEH ist weltweit anerkannt und taucht in vielen Stellenanzeigen auf, insbesondere in den USA und im Nahen Osten. In Deutschland ist er ebenfalls bekannt, auch wenn er den Markt nicht so dominiert wie in anderen Regionen.
- Breite Themenabdeckung: Der CEH bietet einen Überblick über viele Angriffstechniken und -bereiche, was als strukturierter Lernplan für Neueinsteigende in die offensive Sicherheit nützlich sein kann.
- Akzeptanz in bestimmten Sektoren: In regulierten Sektoren wie Behörden, Verteidigung und Finanzdienstleistungen, insbesondere in den USA, wird der CEH manchmal als Mindestanforderung aufgeführt.
- CEH Practical als Differenzierungsmerkmal: Die praktische Prüfungsversion ist anspruchsvoller und zeigt, dass man die Arbeit tatsächlich ausführen kann, anstatt nur Multiple-Choice-Fragen zu beantworten.
Nachteile der CEH-Zertifizierung
Es gibt auch berechtigte Kritikpunkte, die du vor einer Investition kennen solltest:
- Hohe Kosten im Verhältnis zum Nutzen:
Im Vergleich zu anderen Penetrationstest-Zertifizierungen ist der CEH teuer. Viele erfahrene Praktizierende sehen erschwinglichere Alternativen als praxisorientierter an.
- Stark theoriebasiert:
Die Standard-CEH-Prüfung (Wissen) ist ein Multiple-Choice-Test. Technische Personalvermittler und Pentester wissen, dass dies nicht dasselbe ist wie echte Hacking-Erfahrung.
- Weniger praktische Glaubwürdigkeit als einige Alternativen:
In der Pentesting-Community genießen praxisorientierte Zertifizierungen tendenziell einen hohen Ruf. Der CEH rangiert in diesen Vergleichen oft nicht an erster Stelle.
- Zugangsvoraussetzungen können einschränkend sein:
Jemand, der noch keine zwei Jahre Berufserfahrung hat und sich keinen teuren offiziellen Kurs leisten kann, darf möglicherweise nicht einmal an der Prüfung teilnehmen.
CEH vs. CompTIA Security+
Die Frage, die viele AnfängerInnen beschäftigt: CEH oder Security+? Hier ist ein sachlicher Vergleich:
CompTIA Security+
- Breiter Überblick über alle Bereiche der Cybersicherheit, nicht nur offensive Sicherheit
- Deutlich günstiger (Prüfungsgebühr ca. 350 € bis 400 €)
- Keine Voraussetzungen für die Prüfungsteilnahme
- Weit anerkannt in Deutschland und Europa, häufig in Stellenanzeigen erwähnt
- Gute Grundlage für SOC Analyst, Security Engineer und viele andere Rollen
CEH
- Fokus auf Angriffstechniken und ethisches Hacking
- Deutlich teurer, höhere Einstiegshürde
- Zwei Jahre Erfahrung oder offizielles Training als Voraussetzung erforderlich
- Bekannter in bestimmten Märkten (USA, Naher Osten, spezifische Sektoren)
- Weniger praxisorientiert als viele spezialisierte Pentesting-Zertifizierungen
Für die meisten AnfängerInnen in Deutschland ist Security+ der sinnvollere erste Schritt. Es ist breiter aufgestellt, erschwinglicher, hat keine Einstiegsvoraussetzungen und wird von mehr deutschen Arbeitgebern als Grundqualifikation anerkannt.
Fazit: Lohnt sich der CEH?
Der CEH lohnt sich, wenn:
- Du bereits Berufserfahrung in der IT-Sicherheit hast und dich auf offensive Sicherheit spezialisieren möchtest
- Du gezielt Märkte oder Arbeitgeber ansprechen möchtest, die den CEH explizit auflisten (internationale Konzerne, US-Regierungsbehörden, Verteidigungssektor)
- Du planst, den CEH Practical abzulegen, nicht nur die theoriebasierte Version
Der CEH lohnt sich weniger, wenn:
- Du am Anfang deiner Cybersicherheitskarriere stehst und noch keine Sicherheitsgrundlagen besitzst
- Du das beste Preis-Leistungs-Verhältnis suchst
- Du eine breite Sicherheitsrolle auf dem deutschen Markt anstrebst
Für Anfangende in Deutschland ist der empfehlenswertere Weg: Beginne mit Security+ als solider Grundlage und baue darauf auf, je nach deiner Spezialisierung. Wer sich für Pentesting interessiert, profitiert von praktischer Erfahrung auf Plattformen wie Hack The Box, bevor er/sie in eine teure Zertifizierung investiert.
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Leiter der Akademischen Abteilung & Mitbegründer von Cybersteps
Roman ist ein Cybersicherheitsexperte mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Cybersicherheit. Er ist spezialisiert auf Netzwerk-, IoT- und Blockchain-Sicherheit und hat weltweit mehrere Schulungsprogramme für Einsteiger im Bereich der Cybersicherheit geleitet.
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